Wir leben in einer Zeit, in der der Wunsch nach Einzigartigkeit immer stärker wird. Jede Person möchte speziell sein, etwas haben, das andere nicht haben, sich immer wieder neu erfinden und verändern – und das alles in bisher ungewohntem Tempo. Doch diese Zunahme von rascher und drastischer Veränderung bringt einen Haken mit sich. Je drastischer die Veränderung, desto länger dauert es, um wieder zum Status quo zurückzukehren. Was, wenn es eine Möglichkeit gäbe, die eigene Identität zu switchen, ohne langfristige Folgen zu haben? Was, wenn es die Möglichkeit gäbe, kurzfristige Trends ohne langfristige Folgen mitzumachen? Was, wenn es eine Möglichkeit gäbe, den eigenen Körper temporär zu individualisieren? Was, wenn es die Möglichkeit gäbe, Tattoos zu haben, welche täglich veränderbar wären? Was, wenn es die Möglichkeit gäbe, das ganze Gesicht zu piercen, und am nächsten Tag alles wieder weg wäre?
Der Wunsch, aus dem Jetzt auszubrechen, vor Krisen und Katastrophen unserer Zeit zu fliehen, sich vor gesellschaftlichem Druck zu lösen, ist gross. Die Flucht aus der Welt zu sich selbst ist die Konsequenz. Gestaltungswille zeigt sich nicht mehr im grossen Ganzen, sondern an eigenen Identitäten.
Janina Rumpf, Lilia Jahns
2025





