
leonie@ditt.li
@leoniesammelt
[DE]
In der heutigen spätkapitalistischen Gesellschaft wird alles an Leistung und Produktivität gemessen, selbst das Ausruhen soll optimiert und kommerzialisiert werden. Aber was ist mit Erholungszeit, die nicht effizient und produktiv verwertet werden kann? Nichts tun oder nichts tun müssen – das heisst, keine Aufgaben und Erwartungen zu erfüllen, keine Ziele zu verfolgen – wann ist das für wen möglich und wer darf das nicht?
Die Vermittlungs- und Beratungsplattform ZfN – Zentrum für Nichtstun bringt das Thema des Ausruhens in der Leistungsgesellschaft in verschiedenen Kontexten zur Sprache. Das ZfN eröffnet Raum zur Reflexion: Auf der Website informiert ein Manifest über Motive des Nichtstuns und Workshops werden angeboten. Sinnlich erfahr- und greifbar wird das Nichtstun durch textile Objekte. Als Synthese aus Kleidung und Kissen symbolisieren sie das Ausruhen und dienen in den Workshops als Gesprächsstarter über individuelles und kollektives Ausruhen. Spielerisch und sanft zwingen sie uns zum Nichtstun.
[EN]
In today’s economy-driven society, in which everything is measured by output and productivity, resting is also being optimised and commercialised. But what about the time spent resting that cannot be used efficiently and productively? Doing nothing or not having to do anything: no tasks or expectations to fulfil, no goals to pursue. Who is allowed to rest and who is not?
The mediation and advisory platform ZfN – Zentrum für Nichtstun (in English, Centre for Doing Nothing) addresses the topic of resting in the performance society across various contexts and offers a space for reflection: a manifesto on the centre’s website provides information about the motivations for rest, and there is an option to book workshops. The ZfN enables us to experience doing nothing through interaction with textile objects. A synthesis of clothing and cushions, they symbolise resting and serve as a conversation starter in the workshops, about individual and collective resting. Playfully and gently, they force us to do nothing.

Nichtstun, könnte man argumentieren, gibt es nicht – nur schon Gedanken haben, herumsitzen, faulenzen ist «Tun». Aber lass es mich anders definieren: Nichtstun ist, wenn ich mir keine Aufgabe stelle, keinem Ziel folge, es ist ein Zustand des «Nichts-Müssens». «Martin»



Ausschnitt aus dem Manifest für das Nichtstun und Ausruhen
Nichtstun ist nicht einfach nichts: Beim Nichtstun bzw. dem Müssiggang geht es nicht darum, einfach nichts zu tun. Der Mensch tut immer irgendetwas – sei es Beobachten, (Nach-)Denken, Ausruhen. Es geht vielmehr darum, einfach zu sein, keine Pläne, keine Absichten, keine Verpflichtungen zu haben, nicht leisten zu müssen und keine Erwartungen zu erfüllen.
Wir brauchen das Nichtstun. Während des Zustands des Nichts verarbeitet unser Gehirn, unsere Erlebnisse. Wichtiges wird von Unwichtigem getrennt und es entsteht die Möglichkeit, neue Perspektiven zu entwickeln
Wir haben Mühe eine Vorstellung vom Nichtstun zu entwickeln: Einfach zu sein, ist schwierig. In unserer kapitalistischen, leistungsorientierten Welt lernen wir nicht, unproduktiv zu sein und Raum für das Nichtstun zu schaffen. Sich vorzustellen, was Nichtstun für einen selbst sein kann, fällt uns schwer.
Müssiggang bedeutet keine Medien: Medienkonsum jeglicher Art lenkt unser Gehirn ab. Alle konsumierten Inhalte müssen verarbeitet werden, was wiederum bedeutet, dass das Gehirn viel zu tun hat.
Nichtstun muss für alle zugänglich sein: Theoretisch kann jede Person dem Müssiggang nachgehen. Auf ökonomischer Ebene, wo Menschen jedoch arbeiten müssen, um ihr wirtschaftliches Überleben zu sichern, bleibt nicht viel Zeit für das Ausruhen. Auf gesellschaftlicher Ebene gibt es Erwartungshaltung, was wir tun und lassen sollen und das Nichtstun wird als Faulheit gewertet. So sind es marginalisierte Personen, denen der Müssiggang vermehrt fernbleiben. Es stellt sich die Fragen: Wer darf sich in welchem Mass und in welcher Form ausruhen? Wer kann dem Müssiggang nachgehen?






Fotografie: Noëlle Schmid, Leonie Dittli
Model: Louisa Dittli